Da lobe ich mir den Hausarzt
in der Schweiz!
Wie einfach ist der INT-Test zur Ermessung der Blutverdünnung beim Schweizer
Hausarzt zu ermitteln, wie äusserst komplex und zeitaufwendig ist das Verfahren
in Italien!
Wer mehrere Monate des Jahres in Italien verbringt und regelmässig Bluttests
absolvieren muss, sehnt sich nach den Zuständen beim Hausarzt im Bündner
Oberland. In der Schweiz kann die Arztgehilfin vor der Konsultation dem
Patienten mit dem sogenannten Quick-Test durch einen winzigen Stich in
irgendeinen Finger im Nu so viel, das heisst so wenig Blut entnehmen, dass mit
dem Laborgerät in der Praxis der INR-Wert sofort ermittelt werden kann. Bewegt
sich diese Tabelle im besten Rahmen zwischen 2 und 3, braucht der Arzt den
Patienten nicht jede Woche zu bestellen. Da kann der Patient auch mal ins
Unterland fahren und einen ganzen Monat ohne diesen an sich über Leben und Tod
entscheidenden Quick-Test verstreichen lassen.
Wie viel unnütze Zeit vergeht in Italien! Der Landarzt hat vom Quick-Test
vielleicht schon einmal gehört, besitzt aber kein eigenes Gerät für diese
einfache Untersuchung. Der Patient muss ein vom italienischen Staat betriebenes
Laboratorium – nur offen zwischen 8 und 12.30 – aufsuchen, dort vielleicht sogar
in der Schlange stehen oder im Wartezimmer das Warten all’italiana kennen
lernen. Nach dem Stich in eine Vene im Oberarm werden dem Patienten die
INR-Werte nicht gleich bekannt gegeben. Er wird vielleicht sogar auf den
nächsten Tag vertröstet, um endlich zu erfahren, was der Hausarzt in der Schweiz
nach wenigen Minuten absehen und bewerten kann.
In Italien muss die Rechnung für das umständliche Verfahren umgehend bezahlt
werden. Wer als Schweizer durch eine Krankenkasse versichert ist, braucht noch
eine Bestätigung, die er sogar gratis bekommt, doch am besten noch mit einem
Lächeln quittiert. Schlimm werden die Verhältnisse erst dann, wenn in der
Schweiz aus irgendwelchen Gründen die Zustände in Italien oder andern Ländern
als vorbildlich bezeichnet werden. Ich kann meinerseits nur sagen: Es lebe mein
Hausarzt möglichst lange und sterbe erst nach meinem sogenannten Heimgang!
Victor J. Willi, Rom Disentis
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